Willkommen auf der Homepage unseres Vereins!
Wir sind ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Oberhausen und bieten regelmäßig Treffen an. Jeder ist bei uns herzlich willkommen: Autisten, Verdachtsautisten, Angehörige, Fachleute, unabhängig von eurem Wohnort und unabhängig von einer Mitgliedschaft.
Stöbert einfach mal in Ruhe durch. Wenn ihr noch Fragen zu unseren Treffen habt oder eventuell Hilfe bei irgend etwas benötigt, scheut euch nicht, uns zu kontaktieren.
Wir werden uns auch immer wieder zu aktuellen Themen äußern, oder einfach unsere Gedanken schriftlich verfassen. HIER gelangt ihr zu unseren Artikeln.

 

Zunöchst einmal möchten wir hier  über einen Aspekt hinsichtlich Autismus erzählen. Und dies anhand eines Textes, den wir mit Genehmigumg der Bloggerin Special System hier veröffentlichen dürfen:

Unsichtbares AutismusSpektrum

Wenn Du mit einer nicht-sichtbaren Einschränkung lebst, hat das Vor- und Nachteile. Klar ist es ganz cool, wenn nicht jeder gleich sieht, was da bei Dir vielleicht anders ist. 

Andersherum: bei den nicht so toleranten Mitmenschen wird das dazu führen, dass sie Fragen stellen und wissen wollen, weshalb Du Dinge vielleicht auf eine spezielle Weise tust und DAS ist dann auch irgendwie nervig...

Ein Beispiel: Du wirst als Rollstuhlfahrer vermutlich nicht so häufig in die Situation kommen, dass jemand von Dir erwartet, dass Du heute bitte mal probieren sollst, ob Du nicht doch laufen kannst. In der Regel ist das, was der Gegenüber sieht auch das, was er umsetzt; sprich der Verdacht liegt bei den meisten Menschen nahe, dass jemand, der im Rollstuhl sitzt den auch benötigt und nicht unbedingt gut zu Fuß ist - auch wenn es natürlich Ausnahmen gibt.

Bei Menschen im Spektrum verhält sich das oft ein bisschen anders... Der Gegenüber sieht keine Besonderheit. In unserem Falle führt das zu den verrücktesten Ideen vor allem im Bereich der Lehrer... 

Es ist irgendwie unglaublich, denn wenn z.B. jemand sagt "Ich esse keinen Fisch, ich bin allergisch" würde kein Lehrer auf die Idee kommen und sagen:  "Ach komm, probier es doch  mal aus, vielleicht ist es gar nicht so schlimm..." - und somit einen allergischen Schock riskieren...

Wenn ich aber dem Lehrer mitteile, dass ein Kind Autist ist und sich mit der Handlungsplanung unglaublich schwer tut; ich zum Beispiel darum bitte, dass gestellte Hausaufgaben von der Tafel abfotografiert werden dürfen geht es gleich los: "Oh, da sollte der Jonas aber probieren, ob er das nicht doch kann." oder "Das muss die Tina aber doch lernen, das soll sie erstmal so versuchen." 

Die Folgen müssen Tina und Jonas auch aushalten: nichtgemachte Hausaufgaben, den Eintrag dazu, die schlechte Note, den Stress mit dem Lehrer, das "dumme gucken" der Mitschüler weil sie WIEDER MAL die Hausaufgaben nicht gemacht haben. Dazu die Anmerkung des Lehrers "Man Tina, so schwer ist das doch nicht, jetzt sieh mal zu, dass du das hinbekommst." und die Erklärung am Elternsprechtag an die Eltern "Das macht der Jonas nur, weil er keine Lust auf die Hausaufgaben hat..."

Ganz geil! 

Mir erschließt sich oft nicht, wieso sich die Menschen so schwer tun mit etwas, was sie nicht sehen können... In vielerlei Hinsicht ist da Akzeptanz, z.B. wie im oben genannten Beispiel der Allergien, oder wenn jemand eine organische Schwierigkeit hat. 

Den autistischen Kindern in meinem Umfeld spricht in regelmäßigen Abständen jemand die Diagnose ab, indem er sinngemäß sagt "Heute schauen wir mal, ob der Jonas nicht doch ne Handlungsplanung hinbekommt. Oder ein Ritual auslassen kann. Oder mit ganz neuer Tagesstruktur klar kommt. Oder Bildsprache versteht, sich gern anfassen und umarmen lässt oder (ganz toll!) sich mal nicht so autistisch benimmt."

Und ganz im ernst: das ist nichts, was ich mir ausdenke, das sind alles Dinge, die ich so erlebt habe und die so benannt wurden...

Das verheerende daran ist, dass unsere Gesellschaft und unser System unsere Kinder schon ganz früh darauf trainiert, zu funktionieren. Das heißt, dass gerade auch die häufig sehr sensiblen Kinder mit Autismus gelernt haben, "was zu tun ist" um zu gefallen und vor allem um nicht aufzufallen. Viele beherrschen also eine Art Zweitprogramm: sie reißen sich zusammen, mobilisieren alles an Energie und Mut um so zu sein, wie "man" sie in der Schule gern hätte - nur um dann am Mittag nach (!) der Schule zu Hause völlig zusammenzubrechen und zu nichts mehr in der Lage zu sein (das schürt übrigens den schrägen Gedanken des Lehrers, dass das Kind ja "nur wollen muss" und dass die Eltern sich dem Kind gegenüber nur mal "behaupten müssen")

Manche Kinder sind dann "nur" erschöpft, andere rebellieren und haben keinerlei Kontrolle mehr über sich, so dass es zu regelrechten Zusammenbrüchen kommt und Kinder sich dann selbst verletzen, ihr Umfeld nicht mehr gut wahrnehmen können und es dann zu einem totalen Ausfall der Wahrnehmung kommen kann.

Ich erlebe da Kinder, sie sich weinend im Schrank verstecken, 5jährige, die sich selber die Arme aufschneiden und Kinder die so impulsdurchbrüchig sind, dass sie die Einrichtung in der elterlichen Wohnung massiv beschädigen. Es gibt Jugendliche, die depressiv werden, sich selbst schlimmes antun oder einfach "nur" so zurückgezogen sind, dass kinderpsychiatrische Einweisungen notwendig werden. 

Und das alles, weil ein Lehrer ohne Sinn und Verstand "heute mal sehen will, ob der Jonas nicht ne Handlungsplanung entwickeln kann"...

Es ist Fluch und Segen zugleich, wenn jemand nicht sieht, dass ein Mensch sich im Spektrum bewegt, und trotzdem: sollte es nicht Aufgabe jedes einzelnen von uns sein, einen Menschen zu nehmen, wie er ist? Einfach um seiner selbst Willen? 

Ich denke, das wäre der Weg, und ich denke, dass Menschen das einfach verdienen!

 

 

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Ein schöner Minifilm auf youtube, der kleineren Menschen Verständnis für Autismus vermittelt: Lenord und Kraymer.

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